Osternacht schenkt Hoffnung
Über 70 Menschen versammeln sich in der Stiftskirche, die um 5.30 Uhr noch vollständig im Dunkeln liegt. Der Eingang ist von Teelichtern gesäumt. Dann zieht ein kleiner Menschenzug durch den Mittelgang: Kantor Tobias Dielzer trägt die Osterkerze herein, gefolgt von den weiteren Mitgestaltenden des Abends mit Altarkerzen, Taufwasser und Kreuz, Brot und Wein. Dreimal halten sie inne und singen „Christus, Licht der Welt" – die Orgel schweigt von Karfreitag her noch. Die Gemeinde antwortet: „Gott sei ewig Dank."
Nach dem österlichen Lobgesang wird das Osterlicht von Kerze zu Kerze durch die Reihen weitergegeben, bis die ganze Stiftskirche in warmem Kerzenschein leuchtet. Es folgen die alten Lesungen, die Tauferinnerung mit dem Eingießen des Wassers ins Taufbecken, das Kyrie aus Taizé und das Osterevangelium nach Matthäus. Als Pfarrer Ehgart den Osterruf anstimmt und mit „Christ ist erstanden" die Orgel wieder einsetzt – laut und mit vollem Werk – ist der Übergang vom Schweigen zur Feier körperlich spürbar.
Die Predigt nimmt ihren Anfang bei der chinesischen Wasserkalligraphie, die mit Wasser und Schwamm uralte Gedichte auf Steine schreiben – Zeichen, die verblassen und wiederkehren. Ein Bild für eine Hoffnung, die flüchtig wirkt und doch seit tausend Jahren weitergegeben wird, wie die Geschichte von der Auferstehung Christi, von der der Pfarrer einen Bogen spannt zu gegenwärtigen Hoffnungsgeschichten aus der Gemeinde: von einer Freundschaft, die in Erasmus-Zeiten in Finnland begann und gerade ihr 25-jähriges Jubiläum feierte; von einem gelingenden Gespräch zwischen Generationen bei einer Podiumsdiskussion in Hamburg; von einem Mädchen aus London, das sich mit acht Jahren die Taufe gewünscht hatte und am Karsamstag in der Stiftskirche getauft wurde.
Nach dem Gottesdienst wird in der Kirche gefrühstückt – an einer langen Tafel mit Kerzen und Narzissen, dicht besetzt und fröhlich. Das Jubellied „Er ist erstanden, Halleluja" mit seiner mitreißenden Melodie ist so manchem noch den ganzen Tag im Ohr.